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Der Vater des Karmann Ghia

Der Vater des Karmann Ghia
Artikel vom:
06.03.2010
Quelle:
Tagezeitung
Autor:
Oldtimerclub Salzbergen
Kategorie:
Oldiestammtisch Münsterland

Artikel Inhalt

Der Vater des Karmann Ghia

Willi Schwebe hat maßgeblich an der Entwicklung vieler legendärer Autos mitgearbeitet. Am Donnerstag sprach er vor Mitgliedern des Oldtimerclubs Salzbergen.
Willi Schwebe hat maßgeblich an der Entwicklung vieler legendärer Autos mitgearbeitet. Am Donnerstag sprach er vor Mitgliedern des Oldtimerclubs Salzbergen.
(Foto: Temmen)


Rheine/Salzbergen. Ob Karmann Ghia, BMW-Coupé 2000, Käfer-Cabriolet oder VW-Scirocco: Willi Schwebe war maßgeblich an der Konstruktion dieser legendären Fahrzeuge beteiligt. Als ehemaliger Konstruktionsleiter des Autobauers Karmann hat er die Automobilgeschichte jahrzehntelang geprägt. Bei dem inzwischen insolventen Unternehmen entwarf Schwebe von 1942 bis 1992 zahlreiche automobile Schmuckstücke.

Am Donnerstagabend ließ der gelernte Stahlbauschlosser im randvollen Clubheim des Oldtimerclubs Salzbergen die Herzen so mancher Autofreunde höher schlagen. In einem mehrstündigen Vortrag unter dem Thema „Die Karmann-Story: Automobile Träume mit Leidenschaft erzählt“ blickte er auf Einladung der beiden Vereinsvorsitzenden Reiner Splinter und Thomas Vehring auf die guten alten Zeiten zurück.

Viele Legenden des Automobilbaus liefen im Werk Rheine vorm Band.
Viele Legenden des Automobilbaus liefen im Werk Rheine vorm Band.
(Foto: MV-Archiv)


Natürlich ging Willi Schwebe dabei vor allem auf das Aushängeschild des inzwischen insolventen Osnabrücker Autobauers ein: den Karmann Ghia. „Unser Chef wollte zu Beginn der 1950er Jahre unbedingt ein Sportcoupé haben“, erinnerte sich Schwebe. Dies sollte sich allerdings als äußerst schwierig darstellen. „Der Wilhelm Karmann war ja ein ganz fanatischer Mann. An seinen Plänen durfte auf keinen Fall gerüttelt werden“, erinnert sich der inzwischen 82-jährige Konstrukteur.

Dann ging Schwebe auch schon auf die technischen Details ein. Die Oldtimerfreunde hörten gespannt zu. „Der Karmann Ghia hatte eine Schweißnaht von insgesamt elf Metern. Wir haben damals zunächst die einzelnen Pressteile hergestellt, um diese dann zu verschweißen“, sagte der pensionierte Konstruktionsleiter. Daraufhin seien die einzelnen Schweißnähte sehr sorgsam poliert und aufbereitet worden.

Auch gab Schwebe Einblicke in die oft sehr mühsamen Vertragsverhandlungen mit ausländischen Automobilbauern wie Saab, Volvo oder Land Rover. „Abends haben etwa unsere Partner aus England oft getrunken ohne Ende. Am frühen Morgen haben wir ihnen dann schnell die Verträge zur Unterzeichnung vorgelegt“, schmunzelte Schwebe, der am Donnerstag aber nicht nur von schmucken Oldtimern zu berichten wusste. Nein, seine Bekanntschaften mit mindestens ebenso schmucken Frauen aus Brasilien, wo er für das Modell Karmann Ghia do Brasil unterwegs war, fanden ebenfalls Erwähnung.

Doch nun zurück zum eigentlichen Thema seines Vortrags bei den Oldtimerfreunden aus Salzbergen: den automobilen Träumen. Besonders stolz zeigte sich Schwebe am Donnerstag auf den BMW Sportcoupé 633 CSi. „Das war eines der schönsten und teuersten Autos, die wir jemals konstruiert haben“, schwärmte der 82-Jährige, der sich bei Karmann vom einfachen Schlosser zum Konstruktionsleiter hochgearbeitet hatte.

Bleibt abschließend die Frage zu klären, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass Karmann Insolvenz anmelden musste, obwohl stets tolle Autos produziert wurden. „In den 1990er Jahren ging es mit der Zusammenarbeit von Karmann und VW immer weiter bergab“, erläuterte Schwebe. Dafür macht er noch heute den Geschäftsführer Rainer Thieme verantwortlich. „Thieme war viel zu hochnäsig, der hat VW-Boss Ferdinand Piëch mehrmals verärgert. An der Qualität unserer Arbeit hat es jedenfalls nicht gelegen. Es wurden halt nur die falschen Leute an Land gezogen“, begründete Schwebe.

Die Oldtimerfreunde zeigten sich begeistert vom Vortrag. „Da werden tolle Erinnerungen wach“, sagte beispielsweise Martin Diekmännken, der selber 25 Jahre lang bei Karmann als Autoschlosser tätig war. „Besser kann man nicht vortragen“, fügte Vereinsvorsitzender Reiner Splinter lobend hinzu.

Wer die Oldtimerfreunde aus Salzbergen näher kennenlernen möchte, kann sich auf ihrer Homepage informieren. Der Verein trifft sich am ersten Donnerstag eines jeden Monats um 19.30 Uhr im Clubheim zwischen Salzbergen und Emsbüren (Ahlde 18).

oldtimerclub-salzbergen.de

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